Leben ''mitten im Dorf''

Diskutierten angeregt: Volker Hoven, Beigeordneter und Kämmerer der Stadt Sprockhövel, Landtagsabgeordneter Bodo Middedlorf, Stadtverbands- und Fraktionschef der Sprockhöveler FDP, Birte Heidemann, Geschäftsführerin der Tagespflege am Turm und Simone Boecker vom Ambulanten Pflegedienst. Die Puppen kommen übrigens bei zahlreichen Beschäftigungsmöglichkeiten zum Einsatz. Foto: Pielorz

Regelmäßig ist Bodo Middeldorf (FDP), MdL, Ratsmitglied und Vorsitzender der Sprockhöveler Zukunftskommission, in seinem Wahlkreis unterwegs und trifft bei offenen Bürgerterminen zu verschiedenen Themen auf die Menschen in seinem Wahlkreis. Begleitet wurde er zum Thema Pflege von Volker Hoven, Beigeordneter und Kämmerer der Stadt Sprockhövel, der auch einmal als Geschäftsführer eines großen Seniorenheims gearbeitet hat. Sie besuchten die teilstationäre Einrichtung „Tagespflege am Turm“ in Niedersprockhövel, die vor wenigen Monaten in ihr neues Domizil auf der Hauptstraße umgezogen ist. Geschäftsführerin Birte Heidemann kümmert sich mit ihrem Team vor allem um Besucher mit körperlicher und/oder kognitiver Einschränkung. Oft ist auch eine Demenz diagnostiziert. Gemeinsam mit Simone Boecker von der Ambulanten Pflege berichtet sie über aktuelle Probleme.

Die sind völlig unterschiedlich. Beispielsweise bürokratische Hürden. Dazu gehören unzulässige Antragspflichten für Menschen mit Pflegegrad. Ihnen steht nämlich automatisch eine Tagespflegesachleistung zu, die eben nicht gesondert beantragt werden muss. „Das wissen viele nicht. Und die Aufklärung darüber ist mangelhaft“, erzählt Birte Heidemann. Allerdings: das städtische Seniorenbüro leistet hier gute Aufklärungsarbeit. Ein weiteres Problem hat die ausgebildete Pflegewissenschaftlerin mit der generalistischen Pflegeausbildung. Unklare Regelwerke nehmen Tagespflegeeinrichtungen Ausbildungsmöglichkeiten. Vor über zehn Jahren eröffnete Birte Heidemann die Tagespflege – die Einrichtung wird als teilstationär nach dem Prüfkatalog der vollstationären Einrichtungen geprüft, obwohl doch niemand hier wohnt. „Bis zu 45 Gäste pro Woche, nicht mehr als 15 pro Tag, kommen für fest gebuchte Stunden zu uns und verbringen hier ihren Alltag. Sie essen hier, singen, spielen und leben in Gemeinschaft. Es gibt einen Hol- und Bringservice“, erklärt sie und führt den Besuch durch die 270 Quadratmeter große Einrichtung mit eigenem Schrebergarten.

„Mitten im Dorf“ habe man die Möglichkeit, den Bewohnern die Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu bieten. „Das ist eine wunderbare Möglichkeit der Quartiersentwicklung. Unser Ziel ist es, Menschen in allen Generationen mit und ohne Handicap mitzunehmen und ihnen so lange wie möglich eine selbstbestimmte Lebensqualität zu ermöglichen“, zeigt sich Bodo Middeldorf beeindruckt. Er sieht wie auch Volker Hoven weiteres Entwicklungspotenzial. Etwa die ganz praktische Umsetzung einer „Drive-in“-ähnlichen Anfahrtszone bei den Hol- und Bringzeiten für den Fahrdienst. Bei der Umgestaltung der Hauptstraße nach dem Bau der Umgehungsstraße ein wichtiges Thema zum Mit(be)denken. „Ein seniorenfreundliches Dorf, attraktiv auch für jüngere Menschen – das wünschen wir uns“, sagt Birte Heidemann.